Cocora-Tal
Samstag, 30. September
Bevor wir Kolumbien nach einem Monat schließlich verlassen würden und in das nächste Land weiterreisen würden, gab es noch einen Ort, den ich in Kolumbien unbedingt besuchen wollte. Das Dorf Salento, das auf 1900 Metern Höhe in den kolumbianischen Anden liegt. Wir wollten dort vor allem wandern gehen und die besondere Natur um Salento herum bewundern.
Von Medellín aus erreicht man das Dorf Salento in einer ca. 8-stündigen Busfahrt in die Berge. Um Zeit zu sparen, hatten wir uns für eine Nachtfahrt entschieden — grundsätzlich eine gute Idee, leider hatten wir dabei nicht die sehr sehr sehr kurvigen Straßen miteingerechnet. Die Nacht im Bus war insgesamt also etwas unruhig und von starker Übelkeit geprägt, trotzdem ging die Fahrt aber dann doch schneller als gedacht und wir erreichten Salento früh am Morgen. Im Hotel legten wir uns also nochmal für zwei Stunden schlafen, bevor wir dann aufstanden, frühstückten und zu unserer geplanten Wanderung aufbrachen.
Der Startpunkt der Wanderung befindet sich einige Kilometer vom Dorf Salento entfernt und um dort hinzukommen, fahren alle 30 Minuten vom Dorfplatz Salentos kleine Busse, die eigentlich alte Jeeps sind, ab. Christoph und ich ergatterten im sehr vollen und engen Jeep den besten Platz, weil ich den Fahrer höflich auf Spanisch fragte, ob wir uns auch neben ihn auf die Beifahrerbank setzen dürften. So hatten wir nicht nur mehr Platz als alle anderen Mitfahrer:innen, sondern auch die beste Aussicht, nach vorne durch die Windschutzscheibe. Wie so oft in Südamerika war schon die Fahrt zum eigentlichen Ziel landschaftlich wunderschön.
Schließlich kamen wir im „Valle de Cocora“, dem Cocora-Tal an und schon von Weitem waren die unglaublich grün leuchtenden Hügel und die überdurchschnittlich hohen Palmen zu sehen. Hier im Cocora-Tal gibt es verschieden lange Wanderungen, die man gehen kann und weil wir sehr motiviert waren und ja auch die Landschaft genießen wollten, entschieden wir uns spontan für die lange, 7-stündige Wanderung. Das tolle an dieser Wanderung ist, dass man in diesen 6-7 Stunden durch die verschiedensten Landschaften läuft und so viel entdecken kann! Man startet in einem schönen grünen Tal aus Wiesen und wären da nicht die hohen Palmen im Hintergrund zu sehen, könnte man fast denken man befände sich in der Schweiz oder Österreich. Nach den grünen Wiesen läuft man langsam in einen europäisch wirkenden Wald, der sich dann aber sehr schnell zu einem tropischen Regenwald entwickelt. Die Wanderung ist gut machbar, man muss jedoch immer genau schauen, wo man hintritt. Die Wege sind recht schmal und immer wieder von Wurzeln und Pflanzen überwachsen. Abenteuerlich sind auch die vielen Hängebrücken, mit deren Hilfe man die Flüsse und Seen auf dem Weg überqueren kann. Nach einigen Stunden Wanderung durch den Dschungel, geht die Landschaft von feuchtem Regenwald zu einem trockenen Nadelwald über. Der Weg wird steiler und man merkt, dass es langsam nach oben geht. Durch den steilen Anstieg und die zunehmende Höhe wird die Wanderung immer anstrengender, aber für uns immer noch gut zu schaffen. Der nächste Abschnitt der Wanderung sind wieder grün bewachsene, aber steile Wiesen. Irgendwann erreicht man dann den höchsten Punkt der Wanderung und befindet sich auf 2800 Metern Höhe. Von dort aus geht es erstmal wieder eine Weile bergab, bis sich einem dann als großes Highlight der Wanderung das Cocora-Tal mit den unzähligen, riesigen Wachspalmen eröffnet! Obwohl Christoph und ich schon viel gereist sind, war diese Art von Landschaft einfach etwas ganz Neues. Die vielen grünen Hügel sind übersäht mit den langen Wachpalmen (die höchsten Palmen der Welt), die jedoch ganz anders aussehen, als tropische Palmen, die man vielleicht auch aus Südeuropa kennt. Wenn man außerdem Glück hat wie wir, sieht man hier im Palmental hin und wieder Andenkondore über einem kreisen. Insgesamt war diese Wanderung in Salento, Kolumbien eine der schönsten, die wir während unserer ganzen Weltreise gemacht haben!